Uferwand Holzmarktstraße

Gute Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten führten dazu, dass sich zwischen 1860 und 1919 die Einwohnerzahl Berlins mehr als verdreifachte. Da die Infrastruktur dieser Entwicklung nicht gewachsen war, verschlechterten sich die hygienischen Verhältnisse in der Stadt. Schon 1858 wurden Kommissionen gebildet, deren Aufgabe die Planung eines leistungsfähigen Straßen- und Kanalisationsnetzes war. Zwischen 1973 und 1909 wurde zur Entwässerung der Stadt das sogenannte Radialsystem gebaut. Dafür wurde die Stadt entsprechend der Topographie in 12 Entwässerungsgebiete geteilt, an deren Tiefpunkt Pumpwerke gebaut wurden, die das Abwasser zu den Berliner Rieselfeldern pumpten.

An der Holzmarktstraße entstand 1880 das Pumpwerk des Radialsystems V zur Entwässerung des Stralauer Viertels. Das Pumpwerk war über als 100 Jahre in Betrieb, ehe es um die Jahrtausendwende stillgelegt wurde. In den Folgejahren wurde das denkmalgeschützte Pumpwerk in ein Kultur- und Veranstaltungszentrum umgebaut. Entlang der ursprünglichen Uferwand wurde eine Steganlage gebaut, die Teil des Betreiberkonzeptes ist.

Der Bau der Uferwand lässt sich auf den Zeitpunkt des Baus des Abwasserpumpwerks zurückführen. Vor dem Hintergrund des Betriebs der für den Pumpbetrieb erforderlichen Dampfmaschinen war die Uferwand darauf ausgelegt, Lasten aus einer Kranbahn aufzunehmen. Eigens dafür wurden sie verankert. Die Tiefgründung der Wand besteht aus einem hölzernen Pfahlrost, das Fundament aus Beton, der zwischen hölzernen Spundbohlen eingebaut wurde. Auf das Fundament wurde die eigentliche Uferwand in Form einer Schwergewichtsmauer gebaut.

Nach mehr als 100-jähriger Nutzung und in Folge gestiegener Beanspruchungen durch zum Beispiel wesentlich größere Binnenschiffe bestehen Zweifel wurde es nun nötig, die Wand grundhaft zu untersuchen, mögliche Schwachstellen zu identifizieren und Maßnahmen zu deren Sanierung zu planen. Dafür wurden zunächst Materialuntersuchungen durchgeführt, um den Zustand der verwendeten Baumaterialien zu beurteilen. Dazu wurden durch die Wand Bohrungen abgeteuft, bei denen auch gleich die Abmessungen überprüft wurden. Ingenieurtaucher untersuchten den Zustand der tragenden Teile unter Wasser, Geotechniker die anstehenden Böden. Am Ende der Auswertung aller Unterlagen soll ein Sanierungskonzept entwickelt und umgesetzt werden.

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